Das F52
Das F52 ist als Stadtteilladen ein Raum für proletarische Selbstorganisation, Kultur und Bildung. Das F52 ist Treffpunkt für die Nachbarschaft und für alle, die sich für eine bessere, solidarische und gerechte Gesellschaft einsetzen wollen. Damit wird ein Raum für Arbeiter, Arbeitslose, Schüler, Studenten und Rentner geschaffen, der die Erfahrung von Kollektivität, Solidarität, Austausch und Diskussion ermöglicht. Organisatorischer und inhaltlicher Träger des F52 ist das Kollektiv der Aktiven des Stadtteilladens. Der rechtliche Träger des F52 ist der Kollektiv e.V..
Warum Stadtteilarbeit?
Wir leben in Zeiten der Krise, die mit einer Zunahme der Angriffe gegen unsere Klasse einhergehen: Die globalen Machtverhältnisse verschieben sich, die profitorientierte Wirtschaft schwächelt, Klimawandel und Umweltzerstörung nehmen ein gefährliches Ausmaß an. Steigende Lebenshaltungskosten treiben immer größere Teile der Bevölkerung in die Armut. Überall auf der Welt weiten sich Kriege und Wirtschaftskonflikte aus um Einflussgebiete, Absatzmärkte und Ressourcen. Währenddessen verfallen auch hierzulande die Herrschenden in einen Aufrüstungs- und Militarisierungswahn. Wir sehen uns einem Erstarken konservativer und faschistischer Kräfte gegenüber. Die Politiker und Reichen versuchen die Krisen auf uns abzuwälzen. Ihre Reaktion: Sie bauen Sozialleistungen und bürgerliche Rechte ab und treiben aktiv die Spaltung voran zum Beispiel zwischen Deutschen und Geflüchteten, zwischen Jung und Alt, zwischen Arbeitern und Arbeitslosen.
Doch die Krisen sind kein Zufall! Sie sind Folge eines weltweiten Wirtschaftssystems, das auf Ausbeutung und Profitmaximierung basiert. Es bringt Sexismus, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit und andere Formen der Unterdrückung hervor. Die bürgerlichen Parteien von PdL bis AfD verwalten dieses System, anstatt es zu bekämpfen. Wir sind davon überzeugt, “dass diese Welt eine bessere, eine menschlichere Welt werden kann, in der der Mensch dem Menschen ein Bruder ist – und das Wort Solidarität nicht Bekundung und Erklärung bleibt, sondern Realität wird.” (Eva Lippold)
Das Kollektiv der Aktiven ist offen für alle, die unsere grundlegenden Überzeugungen und Ziele teilen und sich dafür in Stadtfeld gemeinschaftlich engagieren wollen: Für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, Krieg und Unterdrückung!
Ziele unserer Arbeit
In einer Gesellschaft, in der Profitinteressen über menschliche Bedürfnisse gestellt werden, leiden die Meisten unter steigenden Mieten, prekärer Arbeit und sozialem Kahlschlag. Der Staat dient
nicht den Menschen, sondern den Konzernen und Profiteuren.
Im Stadtteil treten alltägliche menschliche Bedürfnisse in Erscheinung: Nach Zusammenhalt, Nähe, Sicherheit, Kultur, Wohnraum, Essen usw. Der Kapitalismus kann diese Bedürfnisse nicht angemessen befriedigen.
Unsere Organisation setzt dem eine Praxis der kollektiven
Selbstorganisation und Selbstermächtigung entgegen. Ausgangspunkt unserer Stadtteilarbeit sind die Bedürfnisse der Menschen an ihrem Wohnort, dem Stadtteil. Unsere Nachbarn sind unsere Adressaten und Mitstreiter.
Wir organisieren praktische Solidarität. Armut, Ausbeutung und Unterdrückung setzen wir mit der proletarischen Selbsthilfe konkrete Angebote zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen im Stadtteil entgegen.
Reale Räume der Solidarität müssen wie Blumen in den Stadtteil wachsen. In ihnen wird das Erleben von Solidarität, Zusammenhalt und Sicherheit möglich. Durch die Stadtteilarbeit soll langfristig Vertrauen zwischen den Menschen unserer Klasse aufgebaut werden. Sie ist ein Gegenentwurf zur Hetze, Vereinzelung und Isolierung, die das kapitalistische Gesellschaftsmodell zu zementieren versucht. Dazu bauen wir kollektive und verbindliche Strukturen der Selbstorganisation auf.
In unserer Gesellschaft sind kollektive Freizeitgestaltung, persönliche Entfaltung und Bildung dem Kommerz untergeordnet oder werden systematisch unterdrückt. Wir hingegen streben danach, Organisierung, Bewusstsein und Bildung der Massen unserer Klasse im Sinn unserer Klasse voranzutreiben.
Langfristig wollen wir der kapitalistischen Ordnung eine proletarische Gegenkultur und Gegenmacht im Viertel entgegensetzen. Wir schaffen Räume, um unsere Geschicke in die eigene Hand nehmen zu können, ohne vergeblich auf Politiker und Konzerne zu warten.
Übergeordnete Prinzipien
Die Bosse und Politiker setzen auf Spaltung. Unsere Antwort ist klassenbewusste Einheit. Deswegen verfolgen wir grundlegend die folgenden Prinzipien:
- Unabhängigkeit: Wir sind organisatorisch und finanziell unabhängig vom Staat, von bürgerlichen Parteien, Stiftungen und Unternehmen. Nur so können wir einer Vereinnahmung entgegenwirken und selbstbestimmt arbeiten.
- Solidarität: Was einer nicht allein schafft, schaffen viele gemeinsam. Wir lehnen Konkurrenzdenken ab und stärken gegenseitige Unterstützung – untereinander, im Viertel und darüber hinaus.
- Klassenstandpunkt: Wir stehen auf der Seite der Lohnabhängigen, Erwerbslosen, Mieter und Unterdrückten – nicht der Bosse, Vermieter oder Politiker.
- Internationalismus: Wir verstehen uns als Teil einer weltweiten Bewegung gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Krieg, Vertreibung und Rassismus dienen nur den Herrschenden. Unsere Solidarität gilt allen, die darunter leiden und sich dagegen zur Wehr setzen – hier und weltweit.
Politische Prinzipien
Wir verstehen unsere Arbeit als Teil und Beitrag zu einem übergeordneten Kampf für eine Gesellschaft frei von Ausbeutung und Unterdrückung. Dementsprechend streben wir langfristig die vereinte Macht unserer Klasse an. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir auch als Organisation wachsen. Deswegen gestalten wir das Kollektiv, den Stadtteilladen und unsere Projekte bewusst nicht als subkulturelle Szeneprojekte, sondern möglichst offen und niedrigschwellig zugänglich. Wir wollen die Menschen im Stadtteil zusammenbringen und unsere Probleme kollektiv angehen – über Grenzen politischer Einstellungen, Herkunft, Geschlechterrollen und Sexualität hinweg. Wir und die Menschen im Viertel sind alle aufgewachsen und sozialisiert in einer Gesellschaft, in denen Formen der Unterdrückung wie Sexismus, Rassismus und Behindertenfeindlichkeit tief verankert sind. Wir bekämpfen diese Formen der Unterdrückung, sind uns aber gleichzeitig bewusst darüber, dass dieser Kampf niemanden aufgrund persönlichen Fehlverhaltens kategorisch ausschließen darf. Die kollektive Reflexion und (Selbst-)Kritik unserer Einstellungen und Verhaltens- und Umgangsweisen ist deswegen notwendiger Bestandteil unserer Praxis.
Arbeits- und Organisationsprinzipien
Das Kollektiv ist offen für jeden, der sich aktiv, ernsthaft und kontinuierlich unserer Arbeit und unseren Kämpfen anschließen will – gemäß unserer Ziele, Strategie und Prinzipien. Um unsere Ziele zu erreichen, arbeiten wir konzeptionell nach unseren gemeinsamen Prinzipien und Beschlüssen der Stadtteilarbeit. Wir lernen kämpfend und kämpfen lernend: Durch Projekte und Diskussionen entwickeln wir gemeinsame Strategien und stärken unser Bewusstsein. Die organisatorische Grundlage unserer Arbeit ist das Aktiventreffen. Hier werden die verschiedenen Angebote geplant, diskutiert und organisiert. Gleichzeitig stellt es den organisatorischen Rahmen zu Austausch, Vernetzung und Koordinierung zwischen den verschiedenen Projekten und Organisationen, die sich am Stadtteilladen und der Stadtteilarbeit aktiv beteiligen. Grundlage unserer Arbeit ist der Erhalt und Ausbau unserer räumlichen, personellen und organisatorischen Infrastruktur. Dementsprechend hat die Finanzierung und Instandhaltung des
Stadtteilladens oberste Priorität.Um eine gute und sichere Arbeitsebene zu schaffen, setzen wir auf Kollektivität, Solidarität und Vertraulichkeit untereinander. Projekte, die sich gegen Ausbeutung und Unterdrückung engagieren, sind ständig von staatlichen Repressionen und faschistischer Gewalt bedroht. Eine aktive Zusammenarbeit mit Verfassungsschutz, Polizei oder faschistischen Kräften ist deswegen für die Aktiven des Kollektivs ausgeschlossen. Wir sehen die Stadtteilarbeit als integralen Bestandteil unseres Alltags. Dementsprechend integrieren wir die Stadtteilarbeit aktiv in unsere Lebensgestaltung und tragen unsere Projekte und Ziele nach außen, auch um als Kollektiv produktiver und größer zu werden.
Organisiert euch – denn unsere Stärke ist unsere Solidarität!
Ohne organisierte Gegenmacht können wir nur verlieren. Doch wenn wir uns zusammenschließen, können wir nicht nur kleine Verbesserungen erkämpfen, sondern auch die Grundfragen stellen:
Wem gehört das Viertel? Wem gehört die Stadt? Wem gehört die Welt?Unsere Stadtteilarbeit ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug im Kampf für eine befreite Gesellschaft. Ob im Betrieb, im Viertel oder auf der Straße – nur wenn wir uns zusammenschließen, können wir der Logik von Profit und Konkurrenz etwas entgegensetzen.